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Die Kunst aus der Dose

Geld verdienen mit dem, was Spaß macht – ein Credo des legendären Sprayers Loomit, der im bürgerlichen Leben Matthias Köhler heißt. Er selbst ist schon seit 25 Jahren aktiv in der Graffiti-Szene unterwegs und kann inzwischen seinen Lebensunterhalt als professioneller Sprayer verdienen.

Aber auch für den aus München stammenden Graffiti-Künstler war das nicht immer so. Ganz im Gegenteil: für seine ersten Kunstwerke wurde er sogar angezeigt und musste tüchtig Strafe zahlen. Seine Mutter findet, damit habe er sein Lehrgeld gezahlt.

Auf seine Rechnung geht der erste komplett besprühte S-Bahn-Zug in München in den 1980-iger Jahren: Der „Geltendorfer Zug“ hat Graffiti-Geschichte geschrieben. Die weitläufigen Gleisanlagen in München waren prädestiniert für die Pioniere unter den Sprayern. Außerdem gab es hier sogar einige legale Flächen, auf denen diese neue Generation von Künstlern arbeiten konnte. Mittlerweile ist Graffiti zu einer Kunstform geworden, der sich niemand entziehen kann: ins Museum geht nur ein Bruchteil der Bevölkerung, die Straße entlang laufen muss schließlich jeder.

Loomit ist mit der Sprühdose im Anschlag viel unterwegs. Mittlerweile zählt er zur „Alten Garde“; er hat sich seinen Respekt wohlverdient.


© donbennino - Fotolia.com

Um die Welt gesprüht

Seine Reisen führten ihn quer durch Europa, in die Vereinigten Staaten, nach Australien, Südafrika, Brasilien und nach Hongkong.

Brasilien hat dabei einen besonderen Stellenwert für Loomit, wie man an verschiedenen Stellen im Internet nachlesen kann, wie etwa im Blog von Expedia oder auch schon mal in der Süddeutschen Zeitung: bis 1985 war das Land eine stark abgeschottete Militärdiktatur, Einflüsse von außen drangen kaum ins Land. Die Graffitikultur entwickelte sich dadurch auf eine ganz besondere, spannende Weise, die Loomit als „eigen und poetisch, mit märchenhaften Elementen“ beschreibt. Der Stil der „Grafiteiros“ aus den Favelas erinnert mit langen, runenartigen Schriften an Heavy Metal aus den 1980-iger Jahren. Hier gilt das Extreme als Maxime: Großflächige Bilder entstehen auch schon mal auf der Höhe des 17. Stocks. Dabei ist die Herangehensweise der Brasilianer weniger dogmatisch als vergleichsweise pragmatisch: gemalt wird mit dem, was gerade zur Verfügung steht, etwa Latexfarben, neben den sehr teuren Spraydosen kommen auch Pinsel und Rollen zum Einsatz. Der Fokus liegt weniger auf der künstlerischen Umsetzung von Schrift, sondern vielmehr auf poetischen Darstellungen.

Alljährlicher Sprayer-Gipfel in München
Loomit lädt alljährlich die international besten und bekanntesten Künstler der Sprayer-Szene nach München ein, wo sie sich in der Kultfabrik am Ostbahnhof treffen, verwirklichen und verewigen. Hier hat Loomit sein Studio: in den riesigen Industriehallen gibt es ausreichend Platz und große Wände, Müllcontainer und Laternen – was es allerdings kaum noch gibt, sind Flächen, die noch nicht mit Farbe bedeckt sind.

Ein Ehrenkodex unter den Sprayern besagt, dass nie ein bestehendes Bild übersprayt werden darf. Dadurch kann durch bewusste und gezielte Aktionen mit künstlerischem Graffiti auch illegalen Sprayaktionen vorgebeugt werden, wie etwa an einer Skateranlage in Duisburg. Hier werden die Erzbunkerwände und die Kletterwand von Graffitikünstlern gestaltet. Jeder Sprayer arbeitet mit sogenannten Tags und versteckt in seiner Kunst seine Signatur. Wenn man Loomits Kletterwand genau betrachtet, kann man im Wasserfall ein „L“ erkennen, die restlichen Buchstaben verstecken sich in den einzelnen Gebirgsfelsen. Das zeigt wieder einmal: Graffiti macht Mut zum Suchen und Entdecken.
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